Irres Licht aka. Tehran No° 1

Die Welt in der ich lebe war heute in Nebel getaucht, alles hellgrau und blass, kühl und grau. Nichts hätte in stärkerem Kontrast stehen können zu allem was ich in der vergangenen Woche gesehen habe. Knallrote, knallorange, knallblau beleuchtete Brücken, blinkende Neon-Laufschriten, die in Persisch den Verkauf von heißer Suppe verkünden, gleißend weiße LED-Leuchten über Marktständen mit frischem Obst und Gemüse, entwickelt wohl zur Beleuchtung von Operationssälen oder Rollfeldern an Flughäfen. Sobald sich die Sonne verabschiedete wurde es neon-hell.

Das Licht war generell speziell. Herr P. könnte diesen Eindruck bestimmt in wissenschaftliche und technische Wörter verpacken, aber bei Begriffen wie Lux denke ich vor allem an einen ausgezeichneten Musiker mit Zahnlücke. Das Licht am Tage war so diffus, wie in eine Art Nebel gepackt, die Sorte Nebel, die sich Smog nennt. Ich bin froh nicht in solchem Smog leben zu müssen, doch das Licht war sehr speziell. Auch in Persepolis, wo ich annehme, dass weniger Smog vorhanden ist, da es gut 50 km ausserhalb von Shiraz liegt. Aber wie auch immer.

Chronologisch über diese Reise zu schreiben könnte schwierig werden, denn sie passierte nicht in exakten, proportionierten Abständen. Wir haben die Nacht zum Tage gemacht, sowohl bei der An- als auch der Abreise und hatten dafür tagsüber in den langen Autofahrten in und aus Teheran die Augen geschlossen, was sowohl am Schlafmangel als auch am Verkehr lag. Die Massen an Autos, die allermeisten einige Jahrzehnte alt, mit vielen Dellen und Kratzern, das ständige Hupen, die Straßenmarkierungen und Verkehrsschilder, die von allen eher als freundliche Empfehlungen, nein, prinzipielle Möglichkeiten aus einer Reihe von vielen anderen Fahrmöglichkeiten verstanden wurden. Da wir überraschend wenig Unfälle zu Gesicht bekamen, nehme ich an, dass der Verkehr einer inneren Logik folgen muss, die sich mir kulturell bedingt nicht ganz eröffnen will.  An ein anderes Auto kurz aufzufahren oder es zu streifen war in keinem Fall ein Grund anzuhalten. Eine dreispurige Autobahn in der Nacht in dunkler Kleidung zu überqueren, war nichts sonderlich Außergewöhnliches und auf der gleichen dreispurigen Autobahn anzuhalten und den Fahrer eines langsamer vorbeirollenden Autos nach dem Weg zu fragen ebenso wenig.

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Da wir nicht viel Zeit hatten und Herr P. auch berufliche Verpflichtungen, war von Anfang an klar – keine Ausflüge in die Berge oder in ländlichere Gebiete. Persepolis ausgenommen. Ich dachte, dass ich wohl keine Imkerei zu Gesicht bekommen würde. Dem war dann auch so. An Tag 1 sind wir aber trotzdem rein zufällig im Stadtzentrum Teherans direkt vor einem Honigfachhandel gelandet. In einer Stadt mit 8 bis 15 Millionen Einwohner (so genau wisse das niemand, meinte unser iranischer Freund A.)

Aus lauter Freude hab ich dann nicht auf besagten Herr A. als Dolmetscher gewartet,  sondern gleich versucht den Verkäufer in ein fachsimpelndes Gespräch über Imkerei zu verwickeln, was kläglich scheiterte. Meinem nicht existierenden Farsi sei Dank. Aber ich habe ein Glas Honig gekauft von dem ich weiß, dass es ein Sortenhonig ist von der Blüte der Guna oder Gun oder so ähnlich und im Iran produziert wurde. Ich hoffe, dass ich unsere iranische Freundin B. bald sehe, die derzeit in der gleichen grauen Welt wie ich lebt, vielleicht kann sie mir das noch einmal in Deutsch oder Englisch erklären.

Ebenso am ersten Tag einen der gemütlichsten und schönsten Abende verbracht. Bei Kebab unter Neonbeleuchtung in kleinem Kreis mit sowohl Herr P., Herr M. und meinem neuen schwedischen Freund Herr J., der interessante Geschichten aus Zeiten zu erzählen wusste, in denen ich noch nicht mal geboren war.

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Man beachte bitte den weißen Flügel in der Raummitte, die Leuchtkugeln from outer space und die Länderflaggen auf dem Tisch. Dass keine österreichische Flagge auf dem Tisch steht, liegt nicht nur daran, dass ich nicht gefragt wurde woher ich komme. Ja in Begleitung dreier Männer werde ich wohl schon zu einem davon gehören und dann auch den gleichen Pass haben. Habe ich aber nicht. Macht aber nichts. Und nach einer Regenbogenflagge zu fragen hab ich mir dann doch verkniffen, die Gastgeber liegen einem halt doch am Herzen.

Morgen dann mehr über Teheran, traurige Paläste, den besten Hühnchen-Reiskuchen der Welt und ein irres Schauspiel in Arabisch.

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