Reality check

Ich habe gehofft und ein bisschen davon geträumt, dass ich niemals darüber schreiben muss, dass ich eines meiner Völker verloren habe. Habe ich aber, leider. Heute früh beim Abkratzen der Stockwindeln zur letzten Analyse vor der geplanten Restentmilbung kam es mir so still vor. Ohr an die Beutenwände, mit Glas an die Beutenwände, nichts zu hören. Putzkeil hinten  unten am Beutenden geöffnet, reingeguckt. Nichts außer dem derzeit üblichen Totenfall. Und keine Spur von den Völkern.

Da half also nichts, ich musste oben ran. Beute auf und dann wurde auch klar warum ich in der einen Beute nichts mehr hörte. Sie war quasi leer. Einige verendete Bienen, aber viel weniger als da hätten sein sollen. Selbst tot. Das tat so richtig weh und es tut es immer noch. Was habe ich falsch gemacht, dass das passiert ist? Es gibt so viele Möglichkeiten. Zu wenig gefüttert? Zu wenig Ameisensäurebehandlungen? Da ich das alles in meiner Mittagspause zu erledigen hatte, hab ich für´s erste nicht gleich ausgeräumt. Erst mal Flugloch komplett verschlossen und eine Runde geheult.

Immerhin, das Volk direkt daneben saß in einer schönen Wintertraube. Schön oben, daher von unten nicht sichtbar, aber sobald ich den Beutendeckel hob, hörte ich sie schon. Ein Geräusch der Erleichterung, auch wenn meine Schäfchen noch lange nicht im Trockenen sind. Die geplante Oxalsäurebehandlung für morgen hab ich dann direkt vorgezogen, ich hoffe nur, dass diese nicht zu spät kam. Und ich überlege sogar, ob ich die Behandlung bei meinem Bergvolk trotzdem mache, auch wenn sie vermutlich noch Brut haben. Was heißt hier überlegen, ich werde es machen.

Nach Rücksprache mit meinen BienenpatInnen in spe Frau und Herr E. und ich hab sogar einen Artikel gefunden, der von einem sehr hohen Wirkungsgrad der verdampften Oxalsäure auch bei noch brütenden Völkern spricht und sogar eine zweite Behandlung als in manchen Fällen möglich und notwendig erachtet:

Unterscheidet man die behandelten Völker nach dem Brutstand, ergibt sich bei den brutfreien Völkern eine Wirkung der Oxalsäure Verdampfung von 95,9 %. Die Wirkung in Völkern mit Brut ist 92,0 % (siehe Tabelle 3, Grafik 2 u 3). (…)

Für die Praxis der Oxalsäure Verdampfung heißt dies: Wenn unklar ist ob die Völker Brut pflegen, oder wenn ein sehr hoher Varroa Befall vorliegt, sollten zwei Behandlungen gemacht werden. Für eine sichere Restentmilbung sollte etwa zwei Wochen nach der ersten Behandlung eine zweite Behandlungen erfolgen. Die Bienenverträglichkeit ist so gut, dass eine Wiederholungsbehandlung kein Problem darstellt.

(aus Seite 3 im Oxalsäurebericht Fischermühle Mellifera)

Es geht mir einfach nicht aus dem Kopf, dass ich irgendetwas übersehen und falsch gemacht habe. Und wahrscheinlich hätte ich schon viel früher entdecken können, dass es diesem Volk nicht gut ging. Ich vermute, dass ich noch mehr gegen die Varroa hätte tun sollen, die Oxalsäurebehandlung früher oder sogar noch eine weitere Ameisensäurebehandlung. Ein Berufsimker hat mir mal gesagt, der Trottel steht immer hinter dem Bienenkasten. Das kam mir schon damals nicht so abwegig vor.

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