ziehen lassen, kommen lassen. nachtrag zum Juli.

Einatmen und ausatmen. Diese Banalität, die nur dann auffällt, wenn der Fluss zwischen den beiden stockt.

Sowohl der Mai als auch der Juni sind wie im Flug vergangen und als ich letztens vor den verschlossenen Türen der örtlichen Gemeindebibliothek stand und mich wunderte, dass ich die Handvoll Kinderbücher nicht zurückgeben konnte, obwohl es hieß, dass die Ferienöffnungszeiten erst ab 11. Juli gelten würden, dämmerte mir langsam, dass der Juli ebenfalls im Begriff war an mir vorbei zu ziehen. Jep, es war der zwölfte.

Macht gar nichts, denn die vergangenen Monate waren nur schreibarm, weil so unglaublich viel los war. Deswegen ist heute wieder mal ausatmen angesagt, in Form von niederschreiben.

Das Spannendste der letzten Wochen war die Schwarmzeit. Bereits bevor es losging, konnte ich an einem Fortbildungstag mit Demeter-Imkerberater Michael Weiler teilnehmen (BIO Austria sei Dank). Meine Erfahrung mit Schwärmen war bis dahin nur auf das Schwarmfangen mit der lieben Frau A. im letzten Frühjahr beschränkt, wo ich hauptsächlich zusah und versuchte soviele Bienen wie möglich in die Schwarmfangkiste einzukehren. Aber dann ging es heuer los. Lauter ImkerkkollegInnen aus dem Verein und der Nachbarschaft berichteten über Schwärme an ihren eigenen Ständen an den ersten heiß-schwülen Maitagen.

Hach, einen Schwarm müsste man fangen dürfen können, welch Glück! Und der Mai verging.

Anfang Juni stand ich an meinen Stöcken, da kam ein Mann auf einem Fahrrad daher. Ob ich in diesen Kästen lebende Bienen hätte und ob ich mich damit auskennen würde, er hätte nämlich einen Schwarm im Garten hängen. Ich lachte noch, denn im ersten Moment dachte ich er scherze mit mir und scherzte zurück, na echt, ja cool, den würd ich mir schon holen! Na dann komm mit, meinte er.

Und herzklopfend stand ich kurz darauf vor einem phänomenal großen Schwarm. Schön tief hängend, an einem Obstbaum. Dieses Gefühl ist eigentlich recht einfach zur beschreiben, es mag sich vielleicht übertrieben und komisch anhören, aber vor einem solchen Schwarm zu stehen, ist tatsächlich wie Liebe auf den ersten Blick. Herzklopfen und so irre wach sein, so irre da sein und nur noch lächeln können.

Den Schwarm klopfte ich in die Schwarmfangkiste, beim zweiten Mal hatte ich dann auch die Königin und nach einiger Zeit war die Kiste voll, gerade rechtzeitig um vor dem anstehenden Gewitter mit meinen Schwarm im Fahrradanhänger nach Hause radeln zu können.

Nach einer Nacht im Keller ging es dann am nächsten Abend in eine neue Beute. Schwarm einschlagen, sagen Imkerinnen dazu. Und es ging nur weiter mit dem verzaubert sein. An der Stelle, an der ich die Schwarmfangkiste im Keller platziert hatte, schön zwischen zwei Kisten aufgebockt, damit genügend Luft durch das Gitter im Boden käme, lag am nächsten Tag ein glitzernder Flaum an kleinen Wachsschüppchen. Schwarmbienen sind regelrecht heiß darauf zu bauen. Bevor Bienen als natürlicher Schwarm einen Stock verlassen, vergrößern sich ihre Wachsdrüsen. Wo auch immer sie hinkommen, sie sind bereit sofort mit dem Wabenbau zu beginnen.

Am nächsten Abend beim Einschlagen des Schwarmes leuchtete mir wunderschöner Wildbau am Deckel der Schwarmfangkiste entgegen, aus beinah weißem Wachs, ganz hell und strahlend. Weil ich davon mehrfach gelesen und gehört hatte und wissen wollte, ob das wirklich funktioniert, ließ ich den Schwarm dann auch in sein neues Zuhause einlaufen.

Und ja, es funktioniert tatsächlich, und wie! Und man braucht dafür nur ein weißes Tuch, ein paar Reisszwecken und einen Löffel. Ein ziemlicher MacGyver-Trick. Was in einem vorgeht wenn ein Schwarm von Bienen plötzlich im Kollektiv losstiefelt, genau in die Beute hinein, die man für sie vorbereitet hat, ist wieder recht einfach zu beschreiben und hört sich erneut vielleicht wieder ebenso übertrieben wie komisch an. Es ist tatsächlich wie pure Liebe, ich würde mich trauen zu wetten, dass meine Oxytocin-Werte in diesen Momenten durch die Decke geschossen sind. Diese Massen an sterzelnden Bienen riechen auch noch so wie Neugeborene, ganz zart und nach nichts, nein, einfach nur nach wunderbar.

Dank Herrn P. gibt es das Ganze, leider geruchsarm, auf Video:

Vor lauter wunderbar vergaß ich beim Beute vorbereiten darauf ein Tuch oder eine Folie zwischen die leeren, nur gedrahteten Rähmchen und den Deckel zu legen. Nach ein paar Tagen war der schönste Wildbau am Beutendeckel, den ich dann leider schweren Herzens entfernen musste. Natürlich verlor der Schwarm so wieder einiges an Bau und Bautagen, aber der Baueifer war ungebremst und der strahlend reine Wildbau lässt sich eingeschmolzen hervorragend als Kerzenwachs nutzen.

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