Die Aufgabe, nach der ich rief

Schwarmzeit ist und ich habe alle Hände voll zu tun. Ich und alle, die mit mir leben. Einer der Gründe warum ich hauptsächlich über den Schwarmtrieb vermehre, mal davon abgesehen, dass es der natürliche Weg ist, wie so ein Bien zur Welt kommt und nur Vorteile für die Bienengesundheit bietet, ist der Spaß, den ich dabei habe. Genau, der Spaß, den ICH dabei habe.

Ich wachse. Langsam fange ich an zu hören, bevor ich sehe. Dazu gehört zum Beispiel am Sonntag Nachmittag gemütlich Zuhause anzukommen und direkt zu hören „da ist glaub ein Schwarm“. Und dann die Schwarmtraube entdecken. Bewundern. Diese Ruhe und Gelassenheit, die in die Traube einkehrt, sobald sich der neue Bien am Ast gesammelt hat. Das Reinklopfen in die Schwarmkiste. Das gespannte Beobachten danach. Ist die Königin dabei? Formt sich da eine Traube in der Kiste oder wächst die Traube eher wieder am Baum? Das Warten bis zum Abend, bis Ruhe einkehrt, dann das nach Hause bringen. Und die Vorfreude darauf, am nächsten Tag einlogieren zu können.

Die geteilte Begeisterung, wenn die Familie oder Freunde, die dem neuen Bien ein Zuhause in ihrem Garten oder Balkon bieten, zusammen kommen. Das Einlaufen lassen, das vom Prinzip her immer dasselbe Erlebnis ist, jedoch niemals das Gleiche. Der Moment, in dem ein großer Teil der Bienen den Duft der sterzelnden Schwestern wahrnimmt und sie wie von Zauberhand losmarschieren. Unzähliges rasches Krabbeln Richtung dunkle Öffnung. Die dicken Drohnen zwischendrin. Die vielen Antennen, die sich gegenseitig prüfen. Und dann wenig später auch schon wieder Ruhe und Einfliegen.

Aber auch ein plötzliches Gewitter und der Versuch die letzten einlaufenden Bienen mit einem Regenschirm vor dem Hagel zu schützen, während die nasse Kleidung kalt an einem klebt. Das Üben der Schwarmvorwegnahme, bei der beim ersten Mal zwar das Timing, nicht jedoch die Bienenanzahl richtig war (Tipp: nicht zu wenige Bienen abklopfen!). Die eilige Karton-Bastelei, wenn die Schwarmkiste bereits voll ist, der Baum aber noch nicht leer. Das Wundern, wenn der neue Schwarm partout nicht an den schön hergerichteten Anfangsstreifen bauen will, sondern lieber an drahtlosen Rähmchen auf der anderen Seite.

Ich lerne so viel gerade. Und natürlich hat Goethe, wie zu allen meinen Lebenssituationen, bereits passende Sätze formuliert:

Wenn dir’s in Kopf und Herzen schwirrt,
was willst du Bessres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der lasse sich begraben.

Johann Wolfgang von Goethe

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