Allgemein

conquer pain with love

Weiterkämpfen. Weitermachen. Weitersuchen. Es scheint das Motto dieses Jahres zu sein. Die sichtbaren Kämpfe und jene im Inneren. Am einen Tag scheint mir alles einfach und klar, ich kann das Unmögliche denken. Ganz ohne Bienen leben. Alles hinschmeißen, die Völker verkaufen, die Schleuder, meinen Stockmeißel. Und dann die Ausbildung abbrechen und sie dem ganzen Krempel hinterher schmeißen.

Nur handeln will ich nicht so.

Ammophila fantastica

Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel. Der Kontrast zur Wärme der vergangenen Tage könnte nicht größer sein. Während meine Bienen an den vergangenen Tagen Pollen im Gelb verschiedener Nuancen eintrugen, habe ich das Futter kontrolliert und für´s Erste für ausreichend befunden. Wenn die Bienen Pollen eintragen, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Königin bereits wieder Eier (auf Imkerisch: Stifte) legt, ein bisschen überrascht war ich dann aber doch, bereits verdeckelte Brut vorzufinden. Die Zeit vergeht so schnell…

Die vergangen Wochen habe ich, was Bienen, Menschen und das Leben als solches anbelangt, so viel und intensiv erlebt, dass ich immer noch dabei bin das Erlebte zu sortieren. Da war zum einen der Besuch des Seminars Wege zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung in der Versuchsimkerei Fischermühle von Mellifera e.V., zum anderen die Frühlingsbegegnungen mit meinen Bienen, das erste gemeinsame Sonnenbaden und auch der erste Stich, der diesmal von Herrn P. mehr oder weniger dankend entgegen genommen wurde.

Gestern Abend fand ein interessanter Vortrag zum Thema Wildbienen in Feldkirch statt (siehe die Bienentermine vom letzten Eintrag). Der Vortragende war Herr Timo Kopf und er hatte so einiges über die beeindruckende Vielfalt an Wildbienenarten zu erzählen. Ich war ergriffen von der spektakulären Schönheit so vieler Wespenarten und die Vermutung, dass die Nisttöpfchen auf unserem offenen Dachboden wohl von einer Wildbienenart stammen, hat sich wieder einmal erhärtet (die große Frage ist eher von welcher, mein innerer Sherlock Holmes tippt auf die Indische Mörtelgrabwespe).

Ein bisschen überwältigt war ich von der Sandwespe, die für Ihre Brut ein Nest im Sand anlegt, sich dann Schmetterlingsraupen besorgt, diese im Nest ablegt (gelähmt durch einen Stich) und darauf ein einziges Ei legt. Und jetzt kommt´s – das Nest mit dem Ei und der Raupe wird wieder mit Sand oder Steinen verschlossen und – die Sandwespe klopft mit einem Stein den Sand fest. Sie verwendet ein Werkzeug (!). Dann hörten wir noch von Wildbienen, die so sehr auf eine Art von Pollen spezialisiert sind, dass sie keinen anderen sammeln und verwerten können. Von Pflanzen, die sich chemisch so auf bestimmte Wildbienen spezialisiert haben, dass sie Imitate der Sexualpheromone der bestimmten Weibchen produzieren, mit dem Ziel, dass sich ein Männchen dieser Wildbienenart zur Scheinejakulation auf der Blüte einfindet und so die Bestäubung erledigt.

Eine fantastische und spektakuläre Welt, die sich einem eröffnet, und das direkt vor der eigenen Nase. Apropos Eintauchen in die wunderbare Welt der Wildbienen: Am 24.04.2016 veranstaltet die Stadt Feldkirch einen Wildbienenspaziergang mit Herrn Kopf in Bangs, weitere Infos gibt es hier.

Und das ist noch nicht alles, es gibt neue Links im Blogroll: Einmal die Wildbienen-Informations-Webseite von Herrn Paul Westrich, wo sich unter anderem wunderbare Anleitungen zum Bau von Nisthilfen für Wildbienen finden (siehe z.B. hier), sowie die Forschungsdatenbank über Natur in Vorarlberg von inatura Dornbirn, wo es auch einiges an Forschung von Herrn Kopf nachzulesen gibt.

bee, there

Neue Bienentermine im Ländle:

  • Nächsten Mittwoch, 24. Februar 2016 um 19:00 Uhr im Palais Liechtenstein in Feldkirch: Vortrag zum Thema Wildbienen (Referent: Timo Kopf, der im Bereich Wildbienen in Vorarlberg spannende Forschung betreibt, zu finden unter anderem hier), weitere Infos zur Veranstaltung hier.
  • Und die Woche darauf, am Dienstag, 1. März 2016 um 20:00 Uhr im ORF Landesstudio Vorarlberg in Dornbirn: Vortrag zum Thema Was wir von den Bienen lernen können (Referent: Martin Ott, Biodynamische Landwirtschaftsschule Gut Rheinau, CH), weitere Infos zur Veranstaltung bei der bodensee akademie.

 

Reality check

Ich habe gehofft und ein bisschen davon geträumt, dass ich niemals darüber schreiben muss, dass ich eines meiner Völker verloren habe. Habe ich aber, leider. Heute früh beim Abkratzen der Stockwindeln zur letzten Analyse vor der geplanten Restentmilbung kam es mir so still vor. Ohr an die Beutenwände, mit Glas an die Beutenwände, nichts zu hören. Putzkeil hinten  unten am Beutenden geöffnet, reingeguckt. Nichts außer dem derzeit üblichen Totenfall. Und keine Spur von den Völkern.

Da half also nichts, ich musste oben ran. Beute auf und dann wurde auch klar warum ich in der einen Beute nichts mehr hörte. Sie war quasi leer. Einige verendete Bienen, aber viel weniger als da hätten sein sollen. Selbst tot. Das tat so richtig weh und es tut es immer noch. Was habe ich falsch gemacht, dass das passiert ist? Es gibt so viele Möglichkeiten. Zu wenig gefüttert? Zu wenig Ameisensäurebehandlungen? Da ich das alles in meiner Mittagspause zu erledigen hatte, hab ich für´s erste nicht gleich ausgeräumt. Erst mal Flugloch komplett verschlossen und eine Runde geheult.

Immerhin, das Volk direkt daneben saß in einer schönen Wintertraube. Schön oben, daher von unten nicht sichtbar, aber sobald ich den Beutendeckel hob, hörte ich sie schon. Ein Geräusch der Erleichterung, auch wenn meine Schäfchen noch lange nicht im Trockenen sind. Die geplante Oxalsäurebehandlung für morgen hab ich dann direkt vorgezogen, ich hoffe nur, dass diese nicht zu spät kam. Und ich überlege sogar, ob ich die Behandlung bei meinem Bergvolk trotzdem mache, auch wenn sie vermutlich noch Brut haben. Was heißt hier überlegen, ich werde es machen.

Nach Rücksprache mit meinen BienenpatInnen in spe Frau und Herr E. und ich hab sogar einen Artikel gefunden, der von einem sehr hohen Wirkungsgrad der verdampften Oxalsäure auch bei noch brütenden Völkern spricht und sogar eine zweite Behandlung als in manchen Fällen möglich und notwendig erachtet:

Unterscheidet man die behandelten Völker nach dem Brutstand, ergibt sich bei den brutfreien Völkern eine Wirkung der Oxalsäure Verdampfung von 95,9 %. Die Wirkung in Völkern mit Brut ist 92,0 % (siehe Tabelle 3, Grafik 2 u 3). (…)

Für die Praxis der Oxalsäure Verdampfung heißt dies: Wenn unklar ist ob die Völker Brut pflegen, oder wenn ein sehr hoher Varroa Befall vorliegt, sollten zwei Behandlungen gemacht werden. Für eine sichere Restentmilbung sollte etwa zwei Wochen nach der ersten Behandlung eine zweite Behandlungen erfolgen. Die Bienenverträglichkeit ist so gut, dass eine Wiederholungsbehandlung kein Problem darstellt.

(aus Seite 3 im Oxalsäurebericht Fischermühle Mellifera)

Es geht mir einfach nicht aus dem Kopf, dass ich irgendetwas übersehen und falsch gemacht habe. Und wahrscheinlich hätte ich schon viel früher entdecken können, dass es diesem Volk nicht gut ging. Ich vermute, dass ich noch mehr gegen die Varroa hätte tun sollen, die Oxalsäurebehandlung früher oder sogar noch eine weitere Ameisensäurebehandlung. Ein Berufsimker hat mir mal gesagt, der Trottel steht immer hinter dem Bienenkasten. Das kam mir schon damals nicht so abwegig vor.