Am Bienenstock

Nö, ist sie nicht (die „Stadtbiene“)

Gutes Neues! Und falls wer noch einen Vorsatz für 2017 benötigt, bitte einfach kurz melden, ich hab für jeden was auf Lager.

Bei orf.at nimmt man sich hoffentlich vor elegantere (weil richtigere) Headlines zu schreiben. Mit „Stadtbiene lebt gesünder als Landbiene“ oder „besser ernährt“, „weniger belastet“ oder auch dem eigentlichen Titel des Artikels, der da heißt „Bienen leben in der Stadt oft besser“ wäre auch schon alles gesagt gewesen.

Geworden ist es trotzdem das:

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Und bevor sich wer fragt (so wie ich), ob es vielleicht eine neue Studie oder neue Beobachtungen zum Bienenverhalten (Putztrieb, Sammeltrieb, etc..) gibt, nein nein nein, der Titel ist irreführend und hat mit dem eigentlichen Artikel nichts zu tun.

Stadtbienen sind nicht fleißiger als Landbienen, aber – sie leben in einer weniger belasteten Umgebung und finden in dieser zudem mehr Futter (Blüten). Und das wiederum kann zu höheren Honigerträgen führen, hat mit dem Verhalten (Fleiß) der Tiere jedoch nichts zu tun. Der eigentliche Artikel von science.orf.at befindet sich hier, natürlich lesen, wider jede schlecht geschriebene Verlinkung.

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Game of Drones

Den kleinen Tochterschwarm mit junger Königin hatte ich auf unserem Balkon eingeschlagen. Viel zu klein um sich zu einem Volk zu entwickeln, das den Winter übersteht, konnte ich den winzigen Nachschwarm damals einfach nicht hängen lassen.

Ich dachte, dass ich auf diese Art und Weise nach dem Hochzeitsflug der jungen Königin eine „Ersatzkönigin“ hätte, die ich bei Bedarf einem Volk zusetzen könnte, sollte eines meiner Völker aus irgendeinem Grund vor der Einwinterung weisellos sein. Da ich kein Begattungskästchen besitze und alle meine Blumentöpfe derzeit in Verwendung sind, nahm ich einfach eine neue Beute. Auf unserem überdachten Balkon in gut 6 m Höhe kein Problem, dachte ich.

Das war es dann auch nicht. Also ein Problem. Aus der Sicht der jungen Königin dann zwar eher schon.

Heute Vormittag war vor dem Flugloch eine kleine Aufregung zu beobachten. Einige Bienen wuselten herum und hielten sich irgendwie gegenseitig in Schach. Es waren mehr Bienen als gewöhnlich. Erst dachte ich an Räuberei, trotz sauberer Fütterung und engem Flugloch, und beschloss, einfach mal weiter zu beobachten.

Und dann zu Mittag war er plötzlich da – der riesige Schwarm, der die Beute direkt bezog.

Hatte nicht der Seeley gesagt, dass Bienenschwärme Wohnungen in einer bestimmten Höhe bevorzugen? Unser Balkon und der „Begattungskasten“schienen diesmal genau richtig. Am Tag zuvor hatten wir schon einen anderen Schwarm, ebenfalls schön groß, aus der Tanne vor dem Balkon gepflückt. Mit vollem Einsatz einer dreifach ausziehbaren Leiter, mehreren HelferInnen und mit viel Schwindelfreiheit. Da scherzte ich dann noch – beim nächsten Mal bitte gleich auf unseren Balkon!

Einen Tag später war er da.

 

S. stellte dann irgendwann die Frage, „Mama, was wird jetzt aus der jungen Königin, die vorher drin war?“. Meine Antwort gefiel ihr leider weniger. Beim Seeley-Vortrag in der Schweiz meinte dieser, dass die Späher-Bienen auf der Suche nach einem geeigneten neuen Wohnort durchaus auch um die besten Plätze kämpfen. „Die Natur ist manchmal nicht schön, ich hoffe, dass die junge Königin immer noch herumfliegt, alleine!“. Das zumindest, wissen wir sicher. Keine Königin fliegt alleine, niemals. Aber das Bild einer ewig fliegenden Jungkönigin gefällt mir so kurz vorm Schlafen und Träumen gehen irgendwie auch besser.

Die Aufgabe, nach der ich rief

Schwarmzeit ist und ich habe alle Hände voll zu tun. Ich und alle, die mit mir leben. Einer der Gründe warum ich hauptsächlich über den Schwarmtrieb vermehre, mal davon abgesehen, dass es der natürliche Weg ist, wie so ein Bien zur Welt kommt und nur Vorteile für die Bienengesundheit bietet, ist der Spaß, den ich dabei habe. Genau, der Spaß, den ICH dabei habe.

Ich wachse. Langsam fange ich an zu hören, bevor ich sehe. Dazu gehört zum Beispiel am Sonntag Nachmittag gemütlich Zuhause anzukommen und direkt zu hören „da ist glaub ein Schwarm“. Und dann die Schwarmtraube entdecken. Bewundern. Diese Ruhe und Gelassenheit, die in die Traube einkehrt, sobald sich der neue Bien am Ast gesammelt hat. Das Reinklopfen in die Schwarmkiste. Das gespannte Beobachten danach. Ist die Königin dabei? Formt sich da eine Traube in der Kiste oder wächst die Traube eher wieder am Baum? Das Warten bis zum Abend, bis Ruhe einkehrt, dann das nach Hause bringen. Und die Vorfreude darauf, am nächsten Tag einlogieren zu können.

Die geteilte Begeisterung, wenn die Familie oder Freunde, die dem neuen Bien ein Zuhause in ihrem Garten oder Balkon bieten, zusammen kommen. Das Einlaufen lassen, das vom Prinzip her immer dasselbe Erlebnis ist, jedoch niemals das Gleiche. Der Moment, in dem ein großer Teil der Bienen den Duft der sterzelnden Schwestern wahrnimmt und sie wie von Zauberhand losmarschieren. Unzähliges rasches Krabbeln Richtung dunkle Öffnung. Die dicken Drohnen zwischendrin. Die vielen Antennen, die sich gegenseitig prüfen. Und dann wenig später auch schon wieder Ruhe und Einfliegen.

Aber auch ein plötzliches Gewitter und der Versuch die letzten einlaufenden Bienen mit einem Regenschirm vor dem Hagel zu schützen, während die nasse Kleidung kalt an einem klebt. Das Üben der Schwarmvorwegnahme, bei der beim ersten Mal zwar das Timing, nicht jedoch die Bienenanzahl richtig war (Tipp: nicht zu wenige Bienen abklopfen!). Die eilige Karton-Bastelei, wenn die Schwarmkiste bereits voll ist, der Baum aber noch nicht leer. Das Wundern, wenn der neue Schwarm partout nicht an den schön hergerichteten Anfangsstreifen bauen will, sondern lieber an drahtlosen Rähmchen auf der anderen Seite.

Ich lerne so viel gerade. Und natürlich hat Goethe, wie zu allen meinen Lebenssituationen, bereits passende Sätze formuliert:

Wenn dir’s in Kopf und Herzen schwirrt,
was willst du Bessres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der lasse sich begraben.

Johann Wolfgang von Goethe

Einfach lassen

Mit geschwollener Hand tippe ich etwas mühsam vor mich hin. Heute war ich an der Reihe meinen ersten Bienenstich abzuholen. So wie jeden Tag um die Mittagszeit ging ich zu meinen Bienen und während ich so saß und meinen Fokus auf eine ganz pelzige junge Biene richtete, die mich mindestens mit derselben Aufmerksamkeit musterte, spazierten zwei neugierige Bienen in meinen Jackenärmel. Völlig unbemerkt. Erst als ich später wieder in der Wohnung war, konnte ich es in meinem Ärmel summen hören. Und natürlich tat ich das, was ich normalerweise nicht mehr mache – ich begann zu fuchteln und versuchte die Ärmsten aus meinem Ärmel zu schütteln. Eine blieb verschont, die andere musste stechen.

Note to myself: Fuchteln. Kann man auch einfach lassen.

Im übrigen müssen alle anderen Berichte noch warten (der geschwollenen Hand sei dank), aber das überbelichtete Iphone-Bild weiter oben stammt aus einem wunderschönen Buch über Trachtpflanzen im Jahreslauf, mit selbstgemalten Aquarellen von Frau Fossel, sowie einem richtig spacigen Teil mit Aquarellen verschiedener Pollenformen.

*  Wiesen-Flockenblume; Tüpfel-Hartheu, Echtes Johanniskraut, aus: Bienen und Blumen. Dr. Annemarie Fossel. Hrsg: Dr. Hermann Pechhacker. Institut für Bienenkunde. A-3293 Lunz am See (Eigenverlag). S.213

ziehen lassen, kommen lassen. nachtrag zum Juli.

Einatmen und ausatmen. Diese Banalität, die nur dann auffällt, wenn der Fluss zwischen den beiden stockt.

Sowohl der Mai als auch der Juni sind wie im Flug vergangen und als ich letztens vor den verschlossenen Türen der örtlichen Gemeindebibliothek stand und mich wunderte, dass ich die Handvoll Kinderbücher nicht zurückgeben konnte, obwohl es hieß, dass die Ferienöffnungszeiten erst ab 11. Juli gelten würden, dämmerte mir langsam, dass der Juli ebenfalls im Begriff war an mir vorbei zu ziehen. Jep, es war der zwölfte.

Macht gar nichts, denn die vergangenen Monate waren nur schreibarm, weil so unglaublich viel los war. Deswegen ist heute wieder mal ausatmen angesagt, in Form von niederschreiben.

Das Spannendste der letzten Wochen war die Schwarmzeit. Bereits bevor es losging, konnte ich an einem Fortbildungstag mit Demeter-Imkerberater Michael Weiler teilnehmen (BIO Austria sei Dank). Meine Erfahrung mit Schwärmen war bis dahin nur auf das Schwarmfangen mit der lieben Frau A. im letzten Frühjahr beschränkt, wo ich hauptsächlich zusah und versuchte soviele Bienen wie möglich in die Schwarmfangkiste einzukehren. Aber dann ging es heuer los. Lauter ImkerkkollegInnen aus dem Verein und der Nachbarschaft berichteten über Schwärme an ihren eigenen Ständen an den ersten heiß-schwülen Maitagen.

Hach, einen Schwarm müsste man fangen dürfen können, welch Glück! Und der Mai verging.

Anfang Juni stand ich an meinen Stöcken, da kam ein Mann auf einem Fahrrad daher. Ob ich in diesen Kästen lebende Bienen hätte und ob ich mich damit auskennen würde, er hätte nämlich einen Schwarm im Garten hängen. Ich lachte noch, denn im ersten Moment dachte ich er scherze mit mir und scherzte zurück, na echt, ja cool, den würd ich mir schon holen! Na dann komm mit, meinte er.

Und herzklopfend stand ich kurz darauf vor einem phänomenal großen Schwarm. Schön tief hängend, an einem Obstbaum. Dieses Gefühl ist eigentlich recht einfach zur beschreiben, es mag sich vielleicht übertrieben und komisch anhören, aber vor einem solchen Schwarm zu stehen, ist tatsächlich wie Liebe auf den ersten Blick. Herzklopfen und so irre wach sein, so irre da sein und nur noch lächeln können.

Den Schwarm klopfte ich in die Schwarmfangkiste, beim zweiten Mal hatte ich dann auch die Königin und nach einiger Zeit war die Kiste voll, gerade rechtzeitig um vor dem anstehenden Gewitter mit meinen Schwarm im Fahrradanhänger nach Hause radeln zu können.

Nach einer Nacht im Keller ging es dann am nächsten Abend in eine neue Beute. Schwarm einschlagen, sagen Imkerinnen dazu. Und es ging nur weiter mit dem verzaubert sein. An der Stelle, an der ich die Schwarmfangkiste im Keller platziert hatte, schön zwischen zwei Kisten aufgebockt, damit genügend Luft durch das Gitter im Boden käme, lag am nächsten Tag ein glitzernder Flaum an kleinen Wachsschüppchen. Schwarmbienen sind regelrecht heiß darauf zu bauen. Bevor Bienen als natürlicher Schwarm einen Stock verlassen, vergrößern sich ihre Wachsdrüsen. Wo auch immer sie hinkommen, sie sind bereit sofort mit dem Wabenbau zu beginnen.

Am nächsten Abend beim Einschlagen des Schwarmes leuchtete mir wunderschöner Wildbau am Deckel der Schwarmfangkiste entgegen, aus beinah weißem Wachs, ganz hell und strahlend. Weil ich davon mehrfach gelesen und gehört hatte und wissen wollte, ob das wirklich funktioniert, ließ ich den Schwarm dann auch in sein neues Zuhause einlaufen.

Und ja, es funktioniert tatsächlich, und wie! Und man braucht dafür nur ein weißes Tuch, ein paar Reisszwecken und einen Löffel. Ein ziemlicher MacGyver-Trick. Was in einem vorgeht wenn ein Schwarm von Bienen plötzlich im Kollektiv losstiefelt, genau in die Beute hinein, die man für sie vorbereitet hat, ist wieder recht einfach zu beschreiben und hört sich erneut vielleicht wieder ebenso übertrieben wie komisch an. Es ist tatsächlich wie pure Liebe, ich würde mich trauen zu wetten, dass meine Oxytocin-Werte in diesen Momenten durch die Decke geschossen sind. Diese Massen an sterzelnden Bienen riechen auch noch so wie Neugeborene, ganz zart und nach nichts, nein, einfach nur nach wunderbar.

Dank Herrn P. gibt es das Ganze, leider geruchsarm, auf Video:

Vor lauter wunderbar vergaß ich beim Beute vorbereiten darauf ein Tuch oder eine Folie zwischen die leeren, nur gedrahteten Rähmchen und den Deckel zu legen. Nach ein paar Tagen war der schönste Wildbau am Beutendeckel, den ich dann leider schweren Herzens entfernen musste. Natürlich verlor der Schwarm so wieder einiges an Bau und Bautagen, aber der Baueifer war ungebremst und der strahlend reine Wildbau lässt sich eingeschmolzen hervorragend als Kerzenwachs nutzen.