Life

liebe

aka über sich hinauswachsen.

(by Marsha Onderstijn via AnimalSpirit)

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without hope or despair

Die Nacht in der die USA den neuen Präsidenten wählten, verbrachte ich kotzend in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses. Unzählige Schmerzmittel, Untersuchungen und eine diagnostische Operation später, war mein Bauchproblem gelöst und die Pläne und To-do-Listen der kommenden Wochen auf „erholen und ruhig machen“ reduziert.

Der Bauchvorfall hatte im übrigen nichts mit der Hyposensibilisierung auf Bienengift zu tun, die konnte ich glücklicherweise trotzdem fortsetzen und das Erreichen der Erhaltungsdosis liegt in unmittelbarer Nähe.

Auf dem Sofa ruhend, lesend, die Vögel beobachtend, schweifen die Gedanken. Wenn es mir gar zu abschweifend wird, dann gibt es immer noch das große, weite Netz und dabei bin ich über dieses kleine, entzückende Video der School of Life gestoßen. Lässt sich wunderbar auf meinen persönlichen Weg mit den Bienen umlegen, auch Imkern ist ein kreativer Prozess, wie ich meinen möchte (oder „äs Handwäärk“, wie Frau A. es formulieren würde).

 

 „It begins with a sense of what it should be like…beautiful…and it is so exciting, you wake up, bounce out of bed, full of hope and energy…in your mind´s eye you have such a vivid idea of what you want your masterpiece to be like…you work and toil, harder than even you could have envisioned…you step back from what you´ve done and realize – it´s terrible…and it seems, your taste is well ahead of your abilities…you´re so sad, you´ve gone back to bed…problem is, this is too easy…forgive yourself for the horror of the first draft…don´t hurry…work without hope or despair…for days, months, years…eventually your talents will catch up with your taste…so just keep going.“

 

dann findest du den weg

Es ist ein äußerst interessanter Tag heute, ich komme aus dem staunenden Beobachten nicht mehr heraus. Was wochen- und monatelang vor sich hin dümpelte, bricht heute einfach aus. Was gesagt werden muss, kann heute gesagt werden und es wird auch einfach gesagt.

Warum also nicht anschließen an den Tagesflow, vielleicht lässt sich das Innere schreibend ordnen, so wie ich die letzten Monate versucht habe alles schreibend zu ordnen und gescheitert bin. Wie ich bislang versucht habe es redend zu ordnen und auch darin keine klare Sicht fand, nur viele kleine Fetzen und wie ich es handelnd zu ordnen suchte, ohne klare innere Vorstellung.

Im Juni dieses Jahres, mitten in der Schwarmzeit, in der ich über und über mit unglaublichen Schwarmerlebnissen beglückt wurde (wie bereits hier berichtet), kam alles ganz plötzlich wie ein Faustschlag aus dem Nichts.

Ein warmer Sommerabend. Das kleine Volk, das ich in unseren Gemeinschaftsgarten stellte, wo wir bereits seit Wochen mehrmals mit den umliegenden Nachbarn über die zukünftigen Bienennachbarn geredet hatten. Ja gerne, hieß es! Wir lieben Honig!

Na wunderbar, dacht ich mir. Wir schafften das Volk hin, wir öffneten das Flugloch und just in diesem Moment kam eine Nachbarin herbeigestürzt, wild gestikulierend, dass wir hier auf gar keinen Fall Bienen aufstellen könnten, da ihr Sohn doch eine Allergie habe. Oh. Wir hatten wohl unterschätzt wie wenig Ehepaare untereinander kommunizieren. (Note to myself: mit allen allen allen immer persönlich über einen neuen Bienenstandort reden).

Und weil unser Volk zu dem Zeitpunkt schon munter am Einfliegen war und wir gar nicht wussten wohin für´s Erste, machten wir mit der Nachbarin aus das Volk am nächsten Tag wieder abzuholen. Einige Telefonate später war der neue Platz gefunden (schlussendlich hätten wir sogar zwei neue Plätze gehabt) und die Reise ging am nächsten Abend weiter.

Es war ein weiterer warmer Sommerabend. Es war so wunderbar warm, dass ich kurze Hosen trug und das Volk nach der Fahrt in der Dämmerung öffnete. Rückblickend grob fahrlässig und unachtsam. Nach einer Fahrt öffnet man kein Bienenvolk. Man öffnet lediglich das Flugloch. Und in kurzen Hosen öffnet man noch weniger ein Volk, das recht tief am Boden steht. Niemand macht das, aber ich hab es natürlich getan.

Es folgten um die 10 Stiche. Kein Wunder.

Ich empfand die Stiche als sehr schmerzhaft, schmerzhafter als sonst, aber das mag an den Stichstellen („Stich“-Wort: kurze Hose) gelegen haben und an der Menge. Und als ich nach einer Viertelstunde plötzlich eine Riesenbeule am Kopf bekam, hab ich mich noch naiv gewundert. Woher kommt denn das jetzt?

Kurz darauf wurde mir schwindlig und ich musste niesen und niesen und niesen. Dann kam der Juckreiz, am ganzen Körper. Die Hitze, das Gefühl, dass das Gesicht brennt. Dann die Pusteln, zuerst nur an der Kopfhaut und hinter den Ohren. Dann an den Handgelenken, dem Rücken, dem Bauch. Als es soweit war, waren wir bereits auf dem Weg nach Hause und ich wollte mich kurz hinlegen und beruhigen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt natürlich was dies alles zu bedeuten hatte und hoffte darauf, dass die Reaktion von selber wieder nachließ.

Doch mein Herz raste und langsam spürte ich meine Ohren zugehen, meine Atmung veränderte sich, aha, die Schleimhäute also auch noch. Wir fuhren ins Krankenhaus.

Eine Histamin-Infusion später legte sich das Herzrasen, meine Ohren öffneten sich wieder und die Pusteln und die Hitze verschwanden. Am Ende sogar die Beule.

Nur eines blieb – was mache ich jetzt bloß?

Ich imkere seit 3 Jahren, in nurmehr 5 Monaten trete ich zur Abschlussprüfung für die Imkerfacharbeiterin an, ich kümmere mich um 6 Völker und nun hab ich plötzlich eine Allergie auf Bienengift.

Zuerst hab ich das natürlich alles in Frage gestellt. Nein nein, das wird schon keine Allergie gewesen sein, vielleicht hatte es was mit dem Pollen zu tun (ein bisschen Heuschnupfen hab ich ja jeden Frühling). Also erst mal nach 4 Wochen (oder mehr?) zum Allergietest. Bienengift / Wespengift.

Kurz vor dem Testen bin ich im Garten auf eine arme Hornisse gestanden, die sich auch gleich mit einem Stich gegen mich wehrte. Keinerlei Reaktion, nur ein bisschen Schmerz. Na gut, so kann man auch testen, lachte ich noch, auf Wespengift dürfte ich wohl nicht allergisch sein. Hoffentlich auf Biene auch nicht.

Und dann saß ich auf der Dermatologie im örtlichen Krankenhaus und ließ mir Bienengift auf den linken und Wespengift auf den rechten Arm tröpfeln. Dann anstechen. Dann spritzen. Wespengift negativ. Bienengift positiv. Ich hatte auf negativere Nachrichten gehofft.

Im Arztgespräch hieß es dann direkt – Hyposensibilisierung empfohlen und Imkern müssen Sie natürlich aufhören. Auf so direkte Ansagen pflege ich mit direkten Antworten zu kontern. Kommt gar nicht in Frage, ist ausgeschlossen. Das Gesicht meiner Ärztin lässt sich natürlich recht einfach beschreiben, mit „ratloser Fassungslosigkeit“. Doch, das müssen Sie. Und die Hyposensibilisierung empfehle ich Ihnen als Imkerin sowieso.

Na gut. Ich entschied mich für die Hyposensibilisierung nach dem Rush-Schema. Dafür geht man eine Woche lang stationär ins Krankenhaus und lässt sich jeden Tag drei Spritzen Bienengift geben, in immer höheren Konzentrationen und Mengen. Am Ende der Woche hat man dann die sogenannte Erhaltungsdosis erreicht, die man sich von da an monatlich für die nächsten 2-3 Jahre beim Hausarzt spritzen lässt. Soviel zur Theorie.

Der nächste Termin war Ende August, wie sich herausstellte, sollte es die schönste und heißeste Woche des Sommers werden. Wir sagten unsere Urlaubsreise ab, und los ging´s.

In der Praxis sah das ganze dann so aus, dass ich den 1. Tag mit so starken Kopfschmerzen beendete, dass ich davon erbrechen musste (ja, ich hätte früher nach Schmerzmittel verlangen sollen und ja, das sind mögliche Nebenwirkungen dieser Therapie). An Tag 2 und 3 lief alles locker. An Tag 4 spürte ich nach der letzten Spritze plötzlich wieder jene ominöse Beule, die ich damals als erstes am Kopf spürte. Dann kam das Niesen. Als ich den Krankenpfleger darüber informierte, meinte der noch, das könne auch von dem Coolpack kommen, dass ich zur Kühlung der Einstichstelle am Arm bekam. Äh, ok, genau. Es ist also wahrscheinlicher, dass ich auf das Coolpack reagiere, als auf die Spritze von vorhin? Oft wunder ich mich, um es in den Worten von Total Chaos zu sagen. An Tag 5 bekam ich noch vor der letzten Spritze wieder meine hübsche Beule, meine Schleimhäute schwollen an und der Ausschlag begann wieder am Handgelenk. Diesmal war ein anderer Krankenpfleger zur Stelle, Histamin-Infusion, Diskussion wie es weiter geht.

Ich verließ das Krankenhaus ohne es bis zur Erhaltungsdosis geschafft zu haben und ließ  mir die letzten Wochen im 2-Wochen-Rythmus Bienengift spritzen (um die Erhaltungsdosis doch noch zu erreichen). Nun bekomme ich die Spritzen monatlich, jedoch auf 2 Tage derselben Woche verteilt. Kurz danach geht es mir immer blendend, bis ich wieder Zuhause bin, dann werde ich müde, so abgrundtief müde, dass ich selbst nach ein oder zwei Stunden Schlaf kaum aufstehen kann. Letztens hab ich rausgefunden, dass ich diese Symptome mildern kann, indem ich der Müdigkeit nicht nachgebe sondern einen ausgedehnten Spaziergang mache und mich in Bewegung halte. Dann hängt mir die Spritze nur einen Tag lang nach.

Ich trage jetzt immer ein Notfallset bei mir. Ich gehe nur noch mit einer anderen Person zu meinen Bienen. Ich trage immer vollen Schutz, Handschuhe, Schleier, lange (!) Hosen. An manchen Tagen heule ich und kann nicht akzeptieren, dass das Zu-den-Bienen-gehen nun zu etwas geworden ist, das nicht nur Freude in mir auslöst. Im Gegenteil, es gibt da eine neue Empfindung und sie nennt sich Angst. Nicht ganz unbegründete Angst.

Und ich schwanke zwischen Aufhören und Weitermachen. Loslassen und festhalten.

Auf dem Schreibtisch in unserem Arbeitszimmer steht eine Buddha-Figur, die ich von meiner Trauzeugin zur Hochzeit geschenkt bekommen habe. Eigentlich sitzt die Buddha-Figur mit dem Abhaya Mudra. „Absence of fear“. Es ist die Ermutigungsgeste. Meine Trauzeugin I. hat mir diese Figur damals geschenkt, weil Sie wusste, dass ich ein Leben in „Absence of fear“ leben will. Die besten Dinge im Leben können geschehen, wenn wir unsere Ängste überwinden. Ich könnte darüber endlose Beiträge schreiben.

Vor ein paar Tagen habe ich diese Buddha-Figur an das Fenster im Arbeitszimmer gerückt, dorthin, wo ich direkt auf zwei meiner Bienenvölker blicke.

Ich weiß noch nicht wie ich weitermachen werde, wie ich die Angst managen werde, wie ich die Therapie weiter vertragen werde, wie es nächstes Jahr aussehen soll, welche Entscheidung ich treffen werde, sobald der aufgewirbelte Staub in meinem Innern sich gelegt hat. Ich merke aber, dass ich meinen Antworten auf der Spur bin, denn ich beginne Worte zu finden für den Zustand, den ich bislang nicht mal richtig beschreiben wollte.

Und Nils Koppruch dabei im Ohr zu haben, hilft.

im wald gibt’s eine lichtung wo ne blume für dich steht
und wenn du suchst dann findest du den weg
und wenn du nicht mehr weiter weißt dann hab ich einen rat
da wo keine berge sind suchst du vergeblich nach dem tal

ich weiß der wald ist tief und niemand ist gern einsam und allein
es ist nur dunkel wo die sonne nicht hin scheint
und der bär will nur den honig
nicht die bienen, und die wolken ziehn vorbei

(nicht die bienen – den teufel tun – nils koppruch)

 

If heaven and hell decide, that they both are satisfied.

Weals on my hands and definitely one glass of red wine too many. Weals as a result from working in our potato field today. We spent the afternoon with some very nice people and worked on the field together. Mrs M. brought some tea and bread and the kids ran off to the nearby playground or helped us to find the last hidden potatoes. If there is something like „the perfect afternoon“, then today came really close to that. Back home I received the message that my uncle suddenly died. I always need some time to understand such news. First I just want to pretend like nothing has ever happened. Then I start to realize that it´s just not possible to do so. He died in a way many would wish to die. Fast, with his family and on a beautiful spot. But I just think and wish that he could have had some more years. And I just recognized that I behave like my children – I want to negotiate things. Even things in life that we will never be able to negotiate about.