Reisen

Färber-Wow!

Auf dem Heimweg nach einem Familienwochenende in der Schwäbischen Alb trafen wir zufällig auf den ältesten namentlich erwähnten Ort Deutschlands, die Heuneburg. Und wie der Zufall so spielt, war der Zeitpunkt genau richtig, denn ein Archäologe hatte gerade mit einer Führung losgelegt, die Dank des regnerischen Wetters eher sachte besucht war. Schade, denn der Archäologe war richtig gut drauf und gab einen ausführlichen Einblick in das Leben der keltischen FürstInnen und die Ausgrabungsarbeiten vor Ort und in ganz Mitteleuropa. Zufällig gab es anschließend dann noch eine Pferdeshow mit keltisch gekleideten Reitern, die Kinder waren begeistert! Im Freilichtmuseum Heuneburg befindet sich auch ein kleiner Garten, in dem ich dann trotz des schlechten Wetters eine Honigbiene gesehen habe, an einer imposant großen Staude, die ich bislang noch nie bewusst wahrgenommen hatte.

Es war ein Färberwau (lat. Reseda luteola, auch Gelb- oder Gilbkraut, engl. weld), der, wie mir später klar wurde, als Bienenweide nicht unbekannt ist. Er spendet mäßig Nektar und ordentlich Pollen und ist eine alte Färberpflanze. Wäre das Wetter besser gewesen, dann hätte es wahrscheinlich nur so gesummt, im keltischen Gärtchen. Die Samen gibt es bei diversen Bio-Saatgut-Anbietern online zu kaufen, bei der nächsten Wanderung in meiner Umgebung werd ich aber mal Ausschau halten, denn die Pflanze sollte bei uns eigentlich ebenso wild vorkommen.

Färberwau

Färberwau mit Honigbiene im Freilichtmuseum Heuneburg (DE)

 

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Nekropolis aka Shiraz No° 2

Vom diffusen Licht verfolgt landeten wir an einem Vormittag in Naqsh-e Rostam. Keine iranische Stadt, sondern eine Nekropole, nur wenige Kilometer von Persepolis entfernt. Vier in Fels gehauene Grabstätten und mehrere Felsreliefs, die Grabstätten werden achämenidischen Herrschern zugeschrieben, zumindest eines davon wurde durch eine Inschrift als Grab von Dareios I erkannt. Die Felsreliefs sind jünger, etwa 800-1200 Jahre jünger, aus der Epoche der Sassaniden. Ja ja, die Sassaniden, Shapur der I. und was er mit dem römischen Kaiser Valerian so alles getrieben hat, das ist eine ganz andere Geschichte, aber die gibt es bestimmt in vielen schlauen Büchern nachzulesen.

Ich war wieder einmal überwältigt von der Weite der Ebene. Sich vor den Felsengräbern umzudrehen und zu sehen, was die Menschen damals gesehen haben könnten. Eine weite, weite Ebene. Wir mutmaßten darüber, dass möglicherweise einmal viel mehr Wald in dieser Ebene war, denn wie außer mit Holz hätten sich damals Gerüste errichten lassen können um diese Gräber überhaupt bauen zu können. Wir fachsimpelten mit sprühender archäologischer Neugier, vielmehr als mit tatsächlichem Wissen. Und schon wieder war da diese spezielle Gänsehaut, vor so altem Kulturgut zu stehen und sich dabei seiner eigenen Vergänglichkeit so unmittelbar bewusst zu werden.

Ich wollte noch etwas ausholen und mehr zu Ka`be-ye Zartuscht, dem Turm auf einem der Bilder, schreiben – doch es kam gerade das pure Leben dazwischen. Ein Freund, von dem ich schon ewig nichts mehr gehört hatte, rief gerade an und fragte mich aus über die Erfahrungen die ich bei der Geburt meiner beiden Kinder gemacht hatte. Bei ihm steht diese Nacht eine Entscheidung an, wie sie viele werdende Eltern bezüglich der Umstände der Geburt treffen müssen. Vorallem die Frauen. Ich wünschte, ich hätte von all dem schon früher gewusst und mehr Zeit gehabt als ein halbstündiges Telefonat. Ich wünschte ich hätte meine Erfahrungen, die jeweils sehr unterschiedlich waren, beinah wie die gegensätzlichen Pole oder die jeweils anderen Enden eines Spektrums, intensiver mit Ihnen teilen können.

Noch so ein Grund warum es in meinem Blog wohl niemals allein um Bienen gehen wird. Es gibt zu viele Dinge, die mich bewegen, zu viele Fragen, die mich beschäftigen und zu viele Erfahrungen, die ich gemacht habe. Unmöglich sich auf nur einen Aspekt zu beschränken.

 

(Ja ja, dreh dich ruhig im Grabe um, Georg Friedrich Hegel!)

Tehran No° 4 slash Shiraz No° 1

Letztens war Frau J. zu Besuch und wir stellten beide fest, dass es uns mit gemeinsamen Erinnerungen so geht, als ob es nie wirklich passiert wäre und wir alles nur geträumt hätten. So geht es mir manchmal mit der Reise in den Iran. Bis auf die Erinnerungen, die ich verinnerlicht habe, wie z.B. der Geschmack des Joghurts mit frischen Kräutern oder die Stille und Weite beim Betreten der Vakil Moschee.

In Tehran besuchten wir noch weitere Paläste, den Grünen und den Weißen Palast, aber ich mag keine Fotos von Palästen mehr posten, von alten französischen Möbeln oder hübschen Spiegeln. Alte französische Möbel kann ich auch in Paris sehen oder in Wien. Aber ein altes Badehaus oder einen Bazaar?

Wir brachen früh aus Tehran auf Richtung Shiraz und wurden beim Einsteigen in den Flieger mit einem wunderbaren Sonnenaufgang belohnt. Shiraz war gefühlt eine Erholung, viel weniger Verkehr, kürzere Strecken, weniger Smog, aber letzteres nur gefühlt. Es ging direkt auf den Vakil Bazaar, in ein ehemaliges Badehaus und eine Moschee und zu guter letzt gab es dann auch noch Dizi im Schneidersitz und einen Brotbäcker bei der Arbeit. Die Bilder dürfen für sich sprechen…

Oh – ja fast vergessen – das Grab von Hafis oder Hāfez, wie es Persisch gesagt werden würde.  Aber von diesem Grab hat unsere italienische Freundin Frau D. viel viel bessere Fotos gemacht, zu sehen auf Ihrem Blog hier.

Morgen weiter mit Persepolis, einer lustigen Busfahrt und viel Türkis.

Zarathustras Spuren und Nüsse aka Tehran No° 3

Dieses Silvester haben wir persisch gekocht. Etwas zu viel, aber unser Dizi (Ābgusht) ist rückblickend gar nicht so schlecht geworden. Keine Ahnung wo wir dieses Silvester sein werden, aber falls ich mich irgendwo in der Nähe eines Herdes und einer Packung Reis befinden sollte, dann gibt´s Tah Chin. Ich hätte das auf der Reise eigentlich jeden Tag essen können, hätte es nicht so viel anderes Köstliches zu probieren gegeben. Das Nationalmuseum in Teheran fand ich relativ unspektakulär. Zähne von Neandertalern, ich weiß, eigentlich Wahnsinnsfunde, vorallem für Gegner der Evolutionstheorie, aber da ich Evolution ja nicht verneine sah ich in den Vitrinen einfach nur ein paar sehr alte Zähne. Von Neandertalern. Umso spektakulär dann dieser Moment, in dem ich vor einer Art Schrifttafel von Xerxes I. stand (der Typ der einen großen Teil von Perspeolis bauen ließ, Sohn von Dareios, dem keine Ahnung wievielten, der mit dem Bau von Persepolis angefangen hatte), aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und da bekam ich dann Gänsehaut bei Sätzen wie:

And among those countries there was (some), where formerly the Daivas have been worshipped. Afterwards by the favour of Auramazda I destroyed that place of the Daivas, and I gave orders, „The Daivas shall not be worshipped any longer!“ (…)

Zarathustra pur. Die damals brandneue Vorstellung, dass es nicht viele Götter gäbe, sondern nur einen einzigen (eben diesen Auramazda, oder Ahura Masda (=weiser Herr)). Wenn Menschen Vorstellungen und Ideen entwickeln, die sich über Kontinente hinweg entfalten, auch über verschiedene Religionsgrenzen hinweg und diese Idee sich hartnäckig über Jahrhunderte, in diesem Falle wohl Jahrtausende hält, dann krieg ich schon mal eine Gänsehaut, wenn ich dann plötzlich vor einer der ersten Verschriftlichungen stehe.

Später ging´s noch hoch auf den Milad Turm, was anscheinend Turm der Geburt bedeutet, in welchem Zusammenhang auch immer. Die Aussicht über Teheran war natürlich phänomenal und im untersten Stockwerk fand eine Art Theater statt. Menschen in Verkleidungen, Musik, lauter Gesang und sogar Feuer. Rund um das Geschehen Schautafeln mit Zitaten von berühmten Menschen, auch westlichen Philosophen, über einen gewissen Hussein und dessen Mut und Ehre. Selbst als ich mich bei unseren Gastgebern nach der Bedeutung dieses Spektakels erkundigte, wußten diese nicht weiter. Die sprechen Arabisch, das versteh ich auch nicht, war die Antwort. Ein anderer wußte immerhin zu deuten, dass es um die Ermordung von 40 Menschen durch ein Heer von Tausenden ging und dass dies eine Art Erinnerungsspiel war.

Im Nachhinein fand ich dann heraus um was es da wirklich ging und warum dieses irre Spektakel auf diese Art und Weise nicht in vielen islamischen Länden außer dem Iran stattfinden konnte (habe ich die 40 Männer mit hohen brennenden Fackeln schon erwähnt, die von einer Seite zur anderen tanzten?). Kurze Vorgeschichte: Nachdem der Prophet Mohammed gestorben war, entbrannte ein Nachfolgestreit. Im Grunde zwischen jenen, die einen Verwandten Mohammeds als ihr religiöses Oberhaupt wollten und jenen, die eine Wahl wollten, in der auch Nicht-Verwandte Mohammeds in guter alter arabischer Beduinenart gewählt werden konnte. Ich lasse Jahrzehnte des Hick-Hacks an dieser Stelle aus und komme gleich zum Wesentlichen. Nach einigen gewählten Vertretern, kam schließlich der Schwiegersohn Mohammeds an die religiöse Macht und starb. Der eine Enkel Mohammeds wollte das Amt nicht annehmen und ließ sich von der Gegenseite auszahlen, der andere Enkel names Hussein wollte hingegen durchaus führen und verließ Mekka mit seinen engsten Leuten Richtung Kufa (die Stadt wo es hinzugelangen galt, wollte man Anspruch auf diese Führung erheben). Hussein ritt also von Mekka aus los, mit ordentlich Gepäck auf den Lastkamelen und war dementsprechend langsam.

Er erreichte Kufa nie, zuvor wurde er von einem Heer des Kalifen Yesid (das war sein Gegenspieler) eingeholt und nach 10 Tagen Umzingelung wollte Hussein immer noch nicht aufgeben und tja, was soll man sagen – viertausend Krieger gegen 70 Männer und Frauen, das fand ein schnelles Ende. Um genau diesen Hussein ging es in dem Spektakel, denn – aus jenen, die sich ursprünglich einen Verwandten Mohammeds in der Führungsposition wünschten, entwickelten sich die Schiiten und aus jenen, die eine Wahl unter allen wünschten, die Sunniten. Später kam dann natürlich noch dazu, dass sich beide Seiten gegenseitig vorwarfen den Koran falsch aufgeschrieben oder falsch interpretiert zu haben, aber der Grundkonflikt war eine Unstimmigkeit bei der Nachfolge Mohammeds.* Aus diesem Grunde kann so ein Erinnerungsschauspiel für diesen Hussein natürlich nur in schiitischen Ländern wie dem Iran stattfinden.

Oh ja, fast vergessen – wir waren noch in einem Spezialgeschäft für Nüsse und getrocknete Früchte und Gaz und Nabot und alles was sonst noch so lecker ist. Iranische Mandeln gab es, es hätte sogar amerikanische Mandeln gegeben, aber nicht nur wegen More than Honey hab ich darauf verzichtet. Nachdem ich meinen Gastgeber wegen des Embargos fragte, ich meine, amerikanische Mandeln in Teheran, meinte der nur, dass so etwas immer nur politisch sei, aber nicht für den Handel. Aha.

Ich muss sagen, ich denke viel darüber nach inwieweit man sich durch eine einzige Reise ein wirkliches Urteil über eine Gegend machen kann, darüber wie die Menschen wirklich leben und was wirklich los ist. Nicht zuletzt seitdem ich Pol Pots Lächeln** gelesen habe. Aber das wäre schon wieder eine ganz andere Geschichte, ich kann nur empfehlen das Buch zu lesen, handelt von einer schwedischen Delegation, die Kambodscha zu einer Zeit besuchte, die für die meisten Menschen Kambodschas keine gute Zeit war, um es mal milde auszudrücken, und die von ihrer Reise zurückkehren ohne auch nur das Geringste davon mitbekommen zu haben.

Doch zurück zu den Nüssen: Das absolute Beste in dem Geschäft war, dass man alles und ich meine damit wirklich alles probieren konnte. Wo ich noch ganz zaghaft nach einer einzigen Pistazie griff, kamen die Verkäufer und luden mir beide Hände mit Pistazien voll. Dementsprechend großzügig habe ich dann auch eingekauft, ich denke aber, dass sich sämtliche Nüsse nicht bis Weihnachten halten werden. Sie sind einfach zu gut.

* Quelle meiner Weisheit: Iran, Drehscheibe zwischen Ost und West, Gerhard Schweizer, Klett-Cotta, Stuttgart, Dritte Auflage 1996.

** Pol Pots Lächeln, Peter Fröberg Idling, Edition Büchergilde, Frankfurt am Main. Deutsche Erstausgabe 2013.

Das ganze Huhn aka. Tehran No° 2

Neben dem Verkehr und dem leckeren Essen denke ich oft an die vielen Paläste, in die uns unsere Gastgeber geführt haben. Es fing an mit einem Besuch des Niavaran-Palastes im Nord-Osten der Stadt. Ein schicker Palast, der erst Mitte der 70er gebaut wurde und dessen Dach sich komplett zurückfahren lässt, sollte man Lust auf Sterne bekommen. Bis zur Revolution wohnten hier Mohammed Reza Pahlevi und seine Frau Farah.

Neben den Ereignissen rund um die Revolution ist mir von dieser Tour wieder einmal relativ unnützes Wissen im Kopf hängen geblieben, dass Pahlevi dasselbe Schweizer Internat wie Julian Casablancas besuchte und sich zwei ihrer vier Kinder später in den USA das Leben nahmen. Die Macht in einem Land zu verlieren ist die eine Sache, aber zwei Kinder durch Selbstmord zu verlieren – bis zum Tourende im Parkgelände empfand ich vor allem Mitleid. Unser indischer Freund A. war ganz begeistert von der schönen ehemaligen Königin, ich war ganz begeistert von einem ihrer Porträts, dass Sie mit Katze und einer Art Gitarre zeigte. Alles was man braucht, quasi.

Und dann war da noch das Mittagessen bei dem ich Hühnchen in Granatapfelsoße bestellte und ein ganzes gefülltes Huhn bekam. Und die brandneue und größte Fußgängerbrücke Teherans, die Tabiat Brücke, über die uns unsere Gastgeber voller Stolz führten. In einer Stadt, die im Smog beinahe erstickt, ist so eine nagelneue Fußgängerbrücke auch etwas auf das man richtig stolz sein kann, wie ich finde.

Eigentlich wollte ich heute noch über das Schauspiel in Arabisch schreiben, aber das muss warten. Den letzten Abend bevor sich Herr P. wieder aus dem Staub macht und Richtung Indien fliegt will ich schließlich noch ein bisschen geniessen.

Irres Licht aka. Tehran No° 1

Die Welt in der ich lebe war heute in Nebel getaucht, alles hellgrau und blass, kühl und grau. Nichts hätte in stärkerem Kontrast stehen können zu allem was ich in der vergangenen Woche gesehen habe. Knallrote, knallorange, knallblau beleuchtete Brücken, blinkende Neon-Laufschriten, die in Persisch den Verkauf von heißer Suppe verkünden, gleißend weiße LED-Leuchten über Marktständen mit frischem Obst und Gemüse, entwickelt wohl zur Beleuchtung von Operationssälen oder Rollfeldern an Flughäfen. Sobald sich die Sonne verabschiedete wurde es neon-hell.

Das Licht war generell speziell. Herr P. könnte diesen Eindruck bestimmt in wissenschaftliche und technische Wörter verpacken, aber bei Begriffen wie Lux denke ich vor allem an einen ausgezeichneten Musiker mit Zahnlücke. Das Licht am Tage war so diffus, wie in eine Art Nebel gepackt, die Sorte Nebel, die sich Smog nennt. Ich bin froh nicht in solchem Smog leben zu müssen, doch das Licht war sehr speziell. Auch in Persepolis, wo ich annehme, dass weniger Smog vorhanden ist, da es gut 50 km ausserhalb von Shiraz liegt. Aber wie auch immer.

Chronologisch über diese Reise zu schreiben könnte schwierig werden, denn sie passierte nicht in exakten, proportionierten Abständen. Wir haben die Nacht zum Tage gemacht, sowohl bei der An- als auch der Abreise und hatten dafür tagsüber in den langen Autofahrten in und aus Teheran die Augen geschlossen, was sowohl am Schlafmangel als auch am Verkehr lag. Die Massen an Autos, die allermeisten einige Jahrzehnte alt, mit vielen Dellen und Kratzern, das ständige Hupen, die Straßenmarkierungen und Verkehrsschilder, die von allen eher als freundliche Empfehlungen, nein, prinzipielle Möglichkeiten aus einer Reihe von vielen anderen Fahrmöglichkeiten verstanden wurden. Da wir überraschend wenig Unfälle zu Gesicht bekamen, nehme ich an, dass der Verkehr einer inneren Logik folgen muss, die sich mir kulturell bedingt nicht ganz eröffnen will.  An ein anderes Auto kurz aufzufahren oder es zu streifen war in keinem Fall ein Grund anzuhalten. Eine dreispurige Autobahn in der Nacht in dunkler Kleidung zu überqueren, war nichts sonderlich Außergewöhnliches und auf der gleichen dreispurigen Autobahn anzuhalten und den Fahrer eines langsamer vorbeirollenden Autos nach dem Weg zu fragen ebenso wenig.

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Da wir nicht viel Zeit hatten und Herr P. auch berufliche Verpflichtungen, war von Anfang an klar – keine Ausflüge in die Berge oder in ländlichere Gebiete. Persepolis ausgenommen. Ich dachte, dass ich wohl keine Imkerei zu Gesicht bekommen würde. Dem war dann auch so. An Tag 1 sind wir aber trotzdem rein zufällig im Stadtzentrum Teherans direkt vor einem Honigfachhandel gelandet. In einer Stadt mit 8 bis 15 Millionen Einwohner (so genau wisse das niemand, meinte unser iranischer Freund A.)

Aus lauter Freude hab ich dann nicht auf besagten Herr A. als Dolmetscher gewartet,  sondern gleich versucht den Verkäufer in ein fachsimpelndes Gespräch über Imkerei zu verwickeln, was kläglich scheiterte. Meinem nicht existierenden Farsi sei Dank. Aber ich habe ein Glas Honig gekauft von dem ich weiß, dass es ein Sortenhonig ist von der Blüte der Guna oder Gun oder so ähnlich und im Iran produziert wurde. Ich hoffe, dass ich unsere iranische Freundin B. bald sehe, die derzeit in der gleichen grauen Welt wie ich lebt, vielleicht kann sie mir das noch einmal in Deutsch oder Englisch erklären.

Ebenso am ersten Tag einen der gemütlichsten und schönsten Abende verbracht. Bei Kebab unter Neonbeleuchtung in kleinem Kreis mit sowohl Herr P., Herr M. und meinem neuen schwedischen Freund Herr J., der interessante Geschichten aus Zeiten zu erzählen wusste, in denen ich noch nicht mal geboren war.

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Man beachte bitte den weißen Flügel in der Raummitte, die Leuchtkugeln from outer space und die Länderflaggen auf dem Tisch. Dass keine österreichische Flagge auf dem Tisch steht, liegt nicht nur daran, dass ich nicht gefragt wurde woher ich komme. Ja in Begleitung dreier Männer werde ich wohl schon zu einem davon gehören und dann auch den gleichen Pass haben. Habe ich aber nicht. Macht aber nichts. Und nach einer Regenbogenflagge zu fragen hab ich mir dann doch verkniffen, die Gastgeber liegen einem halt doch am Herzen.

Morgen dann mehr über Teheran, traurige Paläste, den besten Hühnchen-Reiskuchen der Welt und ein irres Schauspiel in Arabisch.

salām

Wir haben wieder nach Hause gefunden und ich fühle mich noch voller Iran, was nicht nur an den mindestens 5 zugelegten Kilos liegt. Die Reise war lang und recht schlaflos, am Ende war gerade noch Kraft da um Frau S. und Herr O. zu begrüßen und die frischen Datteln im Kühlschrank zu verstauen. Rosenwasser wäre jetzt was Gutes um herunter zu kommen, doch der Koffer mit Rosenwasser wird seinen Weg nach Hause erst morgen finden. Gepäck geht immer seine eigenen Wege, ähnlich den Socken. Und es gibt so viel zu erzählen und so viel zu berichten – morgen dann mehr. Ich träume jetzt von Steinen in türkis und Eis mit Karottensaft.